Es muss grossartig sein, im Jahr 2025 ein US-Strategiepapier in den Händen zu halten. Ein Dokument, sauber gebunden, auf offiziellem Briefpapier. Darin steht, schwarz auf weiss, was man seit Jahren brüllt, flüstert oder nur noch müde vor sich hin denkt: Dass man hier, in diesem Europa, allenfalls die nützliche Rolle eines Idioten spielt. Ein Statist in einem Stück, das längst ohne uns geschrieben wird. Und während der letzte Satz aus dem Drucker rieselt, bleibt nur eine Frage: Ist das ein bisschen Genugtuung? Oder ist es das Schlimmste überhaupt – zu wissen, dass die Katastrophe, auf die man hingewiesen hat, nicht nur möglich, sondern schon längst die Realität ist? Du erinnerst dich? Damals, als ¥Globalisierung“ noch kein Schimpfwort, sondern DAS Heilsversprechen war. Als wir die Werkbänke der Welt nach Shenzhen schickten und dafür billige T-Shirts und das gute Gefühl bekamen, klüger als alle anderen zu sein. Wir hatten die Theorie. Der Westen denkt, der Osten schafft.
So einfach. Und wer diese einfache Mathematik in Frage stellte, war nicht etwa ein Realist, sondern ein Störenfried. Ein Schwarzseher. Ein Verbohrter. Man feierte die ¥transatlantischen Werte“ bei teuren Steaks und noch teurerem Wein und sah geflissentlich darüber hinweg, dass die Werkbank inzwischen einen eigenen Masterplan hat – und der heisst nicht Auftragsfertigung, sondern Übernahme.
Und dann die anderen ¥Werte“. Die Bomben, die im Namen der Freiheit fielen. Wegen der Massenvernichtungswaffen, die es nie gab. Die Drohnen, die ¥gezielte Tötungen“ flogen, ein beschönigendes Wort für Mord aus der Ferne.
Wer das ¥Zentrum des Staatsterrors“ nannte, bekam nicht etwa eine sachliche Diskussion. Er bekam die Moralkeule. Er war ein Putin-Versteher, ein Verschwörungstheoretiker, ein Freund der Autokraten. Man beschwor die gemeinsame Sache, die heilige Allianz der "wir-sind-die-Guten", und übersah geflissentlich, dass der Hauptsitz dieser Allianz in Washington stand und die Interessen, die dort vertreten wurden, sehr, sehr eigene waren.
Jetzt sitzen wir in der Suppe, die wir uns selbst eingebrockt haben. Das ¥Just-in-Time“-Wunder entpuppt sich als ¥Gerade-nicht-mehr“-Albtraum. Ein Containerriese steckt im Suezkanal fest, und plötzlich stehen hier die Bänder still. Ein "neuartiges Virus" springt in Wuhan über, und hier fehlen die Ersatzteile. Ein von unseren Werten an die Wand gedrückter "Diktator" marschiert in die Ukraine ein, und unser Gas wird teurer als Champagner. Wir sind nicht die Herren der Logistik. Wir sind ihre Geiseln.
Und die grossen Freunde von gegenüber? Sie schauen zu. Nein, sie schauen nicht mal zu. Sie schreiben Strategiepapiere. Sie beobachten kühl, wie das einst so stolze Europa zum Spielball wird – zwischen einem aufsteigenden Riesen im Osten, der uns wirtschaftlich in der Hand hat, und einem alten Verbündeten im Westen, der uns strategisch längst abgeschrieben hat. ¥Nützliche Idioten“ – so direkt steht es vielleicht nicht im Pentagon-Papier. Aber zwischen den Zeilen, da ist es deutich zu lesen. Wir sind die, die den Laden am Laufen halten, während andere die Welt neu ordnen.
Die grösste Demütigung ist nicht, Unrecht zu haben. Die grösste Demütigung ist, zu spät Recht zu bekommen. Wenn die Ernte schon verdorben ist, erhält man den Preis für die korrekte Wettervorhersage. Man sitzt in den Trümmern der eigenen Prognosen und soll sich darüber freuen, dass man richtig lag. Schön für mich. Ich habe es gewusst. Und jetzt weiss ich auch, wie es sich anfühlt, wenn viele andere es endlich auch wissen – und es zu spät ist. Das ist keine Genugtuung. Es ist das leise, hässliche Kichern der Geschichte über alle, die glaubten, sie wäre ein Fortschritts-Bulletin und kein zyklischer Albtraum. Die Werkbank hat uns den Lieferschein geschickt: Die Rechnung für unsere Arroganz ist fällig. Und bezahlen müssen wir sie alle. Selbst die, die damals recht hatten. Vor allem die. Also ich.
Haftungsausschluss: Die auf dieser Webseite angezeigten Informationen stammen aus öffentlichen Quellen, wurden auf Anfrage hinzugefügt oder vom Autor der Nachricht/des Arbeitsangebots veröffentlicht. Deren Inhalt liegt in der ausschließlichen Verantwortung der Autoren, und www.fbun.de ist nicht verantwortlich für die Art und Weise, wie der Inhalt der Informationen verwendet wird, für direkte oder indirekte Schäden, gleich welcher Art, die sich aus oder im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Webseite und/oder der auf dieser Webseite enthaltenen Informationen ergeben. Die Besucher der Webseite sind direkt dafür verantwortlich, die Informationen zu überprüfen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Jegliche Entscheidung, die ausschließlich auf der Grundlage der von www.fbun.de bereitgestellten Informationen getroffen wird, kann uns in keiner Weise zur Last gelegt werden. Wenn Sie der Meinung sind, dass einige Informationen ungenau oder falsch sind, kontaktieren Sie uns bitte unter support@fbun.de, um sie zu aktualisieren oder zu löschen.
Haftungsausschluss: Die auf dieser Webseite angezeigten Informationen stammen aus öffentlichen Quellen, wurden auf Anfrage hinzugefügt oder vom Autor der Nachricht/des Arbeitsangebots veröffentlicht. Deren Inhalt liegt in der ausschließlichen Verantwortung der Autoren, und www.fbun.de ist nicht verantwortlich für die Art und Weise, wie der Inhalt der Informationen verwendet wird, für direkte oder indirekte Schäden, gleich welcher Art, die sich aus oder im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Webseite und/oder der auf dieser Webseite enthaltenen Informationen ergeben. Die Besucher der Webseite sind direkt dafür verantwortlich, die Informationen zu überprüfen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Jegliche Entscheidung, die ausschließlich auf der Grundlage der von www.fbun.de bereitgestellten Informationen getroffen wird, kann uns in keiner Weise zur Last gelegt werden. Wenn Sie der Meinung sind, dass einige Informationen ungenau oder falsch sind, kontaktieren Sie uns bitte unter support@fbun.de, um sie zu aktualisieren oder zu löschen.